7. Jobstation: Wahlinterviewerin bei der Landtagswahl 2017 in NRW

jpf-admin | 18.Mai 2017

Am 14.05.2017 – ausgerechnet am Muttertag – stand ich pünktlich um 7:30 Uhr noch etwas verschlafen vor einem Seniorenzentrum in Castrop-Rauxel, um meinen Dienst als Wahlinterviewerin für die Forschungsgruppe Wahlen anzutreten. Ich hatte meinen 7. Job im Rahmen meines Projektes „12 Jobs in einem Jahr“ zufällig per Zeitungsannonce in der WAZ gefunden und mich einfach beworben. Einen Tag vor dem Wahltag musste ich an einer Schulung in Dortmund teilnehmen, um das Prozedere rund um die Wählerbefragung für das ZDF kennenzulernen. Genau dafür waren die Ergebnisse der Befragung nämlich gedacht: für die 18-Uhr-Prognose im ZDF.

Der Wahltag

Vor dem Wahllokal wartete schon Klaus, mein zugeteilter Teampartner für den heutigen Tag. Wir erkannten uns an der großen orangefarbenen Tüte, in der wir unsere am Vortag ausgehändigten Materialien für die Befragung transportierten. Schnell konnte ich feststellen, dass ich einen wirklich netten und witzigen Kollegen für die nächsten 10 Stunden an meiner Seite hatte. Unsere erste Amtshandlung war die persönliche Vorsprache beim Wahlvorstand des Wahllokals, der im Vorfeld über unser Erscheinen informiert worden war. Auch diesbezüglich hatten wir Glück – wir sind sehr freundlich in Empfang genommen worden. Bevor das Wahllokal um 8 Uhr öffnete, blieb uns noch genügend Zeit, unseren Posten für die selbstverständlich anonyme Befragung der Wähler zu beziehen. Wir gehörten zu den insgesamt 160 Wahllokalen in NRW, die zur Datenerhebung für die ersten Hochrechnungen zur Wahl herangezogen wurden. Eine echte Mammutaufgabe in Sachen Organisation, denn alle Antworten mussten in einem vorgegebenen Rhythmus an die Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim telefonisch durchgegeben werden. Das hat meistens Klaus übernommen, während ich die Wähler in einem vorgeschriebenen Abzählrhythmus weiter befragt habe. Jeder vierte wurde von uns gebeten, einen kurzen Fragebogen auszufüllen. Außer den Fragen zur abgegebenen Erst- und Zweitstimme wurden noch Fragen zum Geschlecht, zur derzeitigen sowie ehemaligen beruflichen Situation, zur Gewerkschaftsmitgliedschaft und zur gewählten Zweitstimme bei der Landtagswahl in 2012 gestellt.

Die Wähler

Die meisten Wähler waren sehr hilfsbereit und haben den Fragebogen gerne ausgefüllt. Einige natürlich nicht, weil sie weder Zeit noch Lust dazu hatten. Einige wenige bezweifelten auch die Anonymität der Befragung, obwohl neben den statistisch bedingten Fragen zur Person keine konkreten Angaben wie Namen oder ähnliches verlangt wurden. In der Regel konnten Klaus und ich mit ausgesprochener Höflichkeit und guten Argumenten punkten. Klaus hatte dazu auch immer einen lockeren Spruch auf Lager, so dass es nie langweilig wurde. Denn lang war der Tag definitiv! Bis 18 Uhr hatten die Wahllokale ja bekanntlich geöffnet…und dank der recht guten Wahlbeteiligung war auch immer was los.

Kompetenzen eines (Wahl)Interviewers

Was braucht man also für den Job als Wahlinterviewer? Auf jeden Fall Standvermögen im wahrsten Sinne des Wortes. Zum einen steht man einfach die meiste Zeit und zum anderen muss man den Wähler zur Teilnahme überzeugen. Da gehört eine gewisse Portion Geduld, Argumentationsfähigkeit und außerordentliche Zuvorkommenheit dazu. Ab und an wurden wir schon mal nicht so nett angegangen, aber der Großteil der Wähler war uns freundlich gesonnen. Vorteilhaft ist bei diesem Job ein offenes, nachsichtiges, kontaktfreudiges, respektvolles, empathisches, souveränes und professionelles Auftreten gepaart mit viel Überzeugungskraft, Ausdauer sowie gepflegtem Aussehen…und eine gewisse Spontaneität und Flexibilität ist wichtig bei diesem Job. Es macht schon einen Unterschied hinsichtlich der Ansprache, ob ein 18-jähriger oder 80-jähriger Wähler vor einem steht. Klaus und ich stellten ebenfalls ein „Mehrgenerationen-Team“ dar. Alle Interviewer waren – das zeigte die Schulung am vorherigen Tag –  offensichtlich „querbeet“ ausgesucht worden: vom Rentner bis zum Studenten war alles vertreten.

Am Ende des Tages waren wir einfach nur platt – und zufrieden, dass alles so gut gelaufen ist. Ich hatte noch eine Extra-Aufgabe bekommen und musste die Auszählung der Stimmen im Wahllokal abwarten. Exakt um 19:30 Uhr konnte ich mit dem letzten Telefonat des Tages und der Durchgabe der abschließenden Zahlen meinen Arbeitstag beenden. Ein gutes Gefühl, am Abend wirklich mit der Arbeit fertig zu sein. Feierabend!

Den wünsche ich Euch jetzt auch: einen entspannten und zufriedenstellenden Feierabend!

Eure Gunda Ben Djemia-Böke

P.S.: Wie eigentlich immer stimmten die Hochrechnungen mit den tatsächlichen Ergebnissen fast überein…schön, einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben 😉