8. Jobstation: Pädagogische Assistentin in einer Grundschule

Gunda Ben Djemia-Böke | 13.Juni 2017

Zu diesem 8. Job in meiner „Jobtest-Karriere“ bin ich ganz zufällig gekommen: die Klassenlehrerin meines Sohnes brauchte Unterstützung beim geplanten Schulausflug, weil die Assistenzlehrerin der Klasse an dem Tag nicht konnte. So bin ich als Begleitperson und Mit-Aufpasserin für insgesamt 28 Schüler eingesprungen, um das Schulbusunternehmen zu besuchen.

Schulbusregeln

Es ging an diesem Mittwoch Vormittag vorrangig um die Themen Sicherheit und richtiges Verhalten beim Busfahren. Dafür war ein Schulbus mit Busfahrer und „Trainerin“ angerückt, die uns die Schulbusregeln von A bis Z erklärten. Natürlich waren die Kinder extrem aufgeregt. Schon das Aufstellen in Zweierreihen bereitete einige Schwierigkeiten, ganz zu schweigen vom Proviant verstauen. Zwei Schülerinnen zückten sogar ihre Kameras, um diesen großen Tag auch bildlich festzuhalten. Daraus wurde aber nichts, weil die Klassenlehrerin dies zugunsten der Aufmerksamkeit schnell unterband.

Nachdem zunächst alles ums Ankommen des Busses, gesittetes Einsteigen und Fahren erklärt worden war, ging’s los. Die Schüler nahmen Platz und hatten großen Spaß daran, auf die Sitze zu hauen und so den Staub aufzuwirbeln. Unglaublich lustig…;-)

Schließlich kamen wir bereits einigermaßen heiser (aufgrund der Staubentwicklung und den gelegentlich notwendigen Ermahnungen) beim Busunternehmen an und wurden einmal über den Hof geführt. Es gab neben den Linienbussen auch Reisebusse, eine Werkstatt, eine Wasch- sowie Tankanlage zu bestaunen. Überall erklärten die Mitarbeiter den Schülern geduldig, worin ihre Aufgaben bestanden und beantworteten die neugierigen Fragen. Zwischendurch erfolgte immer mal wieder der Hinweis, doch bitte nichts anzufassen. Ganz schön schwer, solch eine Horde im Griff zu haben, dachte ich nicht nur einmal.

Vollbremsung inklusive

Nach eine Frühstückspause, die wir alle dringend nötig hatten, ging’s weiter mit den praktischen Übungen. Die Kinder sollten am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn der Bus eine Vollbremsung machen muss. Und wie wichtig es dafür ist, sich stets gut festzuhalten. Sozusagen zur Eingewöhnung wurde diese Vollbremsung erst mit einem Kleinbus und später dann mit dem Linienbus durchgeführt. Ein Kind wollte da gar nicht mitmachen und wartete mit der Lehrerin am Rand. Das war ein Gekreische im Bus – eine Mischung aus Angst und freudiger Erwartung vor der Vollbremsung – ohrenbetäubend. Als dann noch ein absichtlich nicht angeschnallter Dummy durch den Bus flog, waren alle ganz aus dem Häuschen. Dem ein oder anderen wurde vielleicht auch ein bißchen schlecht, aber die meisten fanden es einfach großartig.

Zum Abschluss zeigten uns die beiden Busmitarbeiter, wie gefährlich der sogenannte „Tote Winkel“ ist. Dafür durften die Schüler – einer nach dem anderen – auf den Fahrersitz klettern und im Spiegel sehen, ob ihre Mitschüler im Toten Winkel standen oder nicht. Spannend wurde es noch einmal, als jeder Schüler absichtlich in der Bustür eingeklemmt wurde – um zu erfahren, dass sich die Tür automatisch bzw. mit ein wenig Kraftaufwand wieder öffnet.

Nach diesen erlebnisreichen Stunden wurden wir wieder sicher zur Schule kutschiert. Die Erwachsenen waren alle erleichtert, dass die Kinder wohlbehalten in ihrer gewohnten Umgebung angekommen sind. Da kennen sie sich aus und die Aufsichtspflicht ist ein wenig entspannter für die Lehrkräfte.

Nach dem Tag mit den Schülern kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass man folgendes im Lehrberuf benötigt: Verantwortungsbewusstsein, Geduld, Belastungsfähigkeit, Ruhe und Gelassenheit, Durchsetzungsvermögen, Klarheit, große Freude an der Arbeit mit jungen Menschen und unterschiedlichen Charakteren, Lärmunempfindlichkeit, Aufmerksamkeit, Empathie und Mitgefühl, Wertschätzung, Toleranz, Abgrenzungsfähigkeit und einfach eine starke sowie gefestigte Persönlichkeit. Letzteres ist vielleicht sogar das allerwichtigste. Die Schüler lieben Personen, auf die sie sich uneingeschränkt verlassen können, die ihnen Rückhalt (und im Grundschulalter sicherlich auch Geborgenheit) geben.

Ich habe mich sehr über die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit im Lehrbetrieb gefreut, auch wenn der Schulausflug natürlich eine Ausnahmesituation dargestellt hat. Und ich habe großen Respekt vor der Leistung der Lehrenden, sich tagtäglich mit all den großen und kleinen Problemen unserer Kinder auseinanderzusetzen. Hut ab!

In diesem Sinne schöne (wohlverdiente) Feier- und Ferientage wünscht Euch

Gunda Ben Djemia-Böke