9. Jobstation im Kloster auf Zeit

Gunda Ben Djemia-Böke | 04.August 2017

Bei der 9. Jobstation im Juli war vielmehr der Arbeitsort spannend und außergewöhnlich als die Tätigkeit an sich: Ich war im Kloster auf Zeit in Volkenroda in Thüringen http://www.kloster-volkenroda.de. Kloster auf Zeit bedeutet in meinem Fall, dass ich dort für eine Woche mitgelebt, mitgebetet und mitgearbeitet habe. Im KaZ – wie wir intern hießen – ging es zu wie in einer großen Wohngemeinschaft. Jeder hatte sein eigenes Zimmer (oder seinen eigenen Bauwagen!) und Küche sowie Bad wurden gemeinsam genutzt.

Unser Tagesablauf

Morgens um 7:30 Uhr haben wir uns zum Morgengebet in der alten Klosterkirche versammelt, um gemeinsam zu beten und das Abendmahl zu empfangen. Danach wurde in großer Runde gefrühstückt. Im Anschluss an das Frühstück konnte – wer wollte – die Gelegenheit nutzen und mit der Seelsorgerin ein Gespräch führen, denn die begleitende Seelsorge ist ein fester Bestandteil des Kloster auf Zeit-Prinzips. Schließlich ging’s an die Arbeit für ca. 3 Stunden am Vormittag. Diese Einsätze richteten sich nach Interesse bzw. Arbeitsanfall. In der Woche, in der ich da war, stand die Renovierung der Tenne des alten Gutshofgebäudes von Volkenroda auf dem Programm. Ich wurde also (zum ersten Mal in meinem Leben…;-) mit Malerkrepp, Pinsel und Wandfarbe ausstaffiert und nach sehr kurzer Einweisung direkt an die Wand geschickt. Die Tenne sollte der neue Aufenthalts- und Essensraum für uns KaZler werden…und wir haben uns sehr viel Mühe dabei gegeben, Farbe in diesen dunklen Raum zu bringen. Mit großem Spaß und mehr oder minder viel Talent war die Tenne nach einer Woche komplett gestrichen und mit alten „neuen“ Möbeln bestückt. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen und wir waren am Ende mächtig stolz auf das Ergebnis, das sich sehen lassen konnte.

Wer nicht malern wollte, konnte sich auf dem Schulbauernhof um die Versorgung der Tiere kümmern oder andere Spezialaufträge übernehmen. Es gab immer was zu tun. Mittags läuteten die Glocken zum Mittagsgebet, in dem wir um Frieden auf Erden bitteten, und zwar im Christus-Pavillon. Dieser Pavillon wurde ursprünglich für die Expo 2000 in Hannover entworfen und hat anschließend seinen Bestimmungsort im Kloster gefunden. Der Pavillon fügt sich wunderbar harmonisch ins Gutshof- und Klostergelände. Überhaupt überrascht das Kloster in jeder Beziehung mit viel Offenheit, Akzeptanz und Modernität. Alles ist sehr schlicht und natürlich gehalten. Die Gedanken finden auch räumlich ausreichend Ruhepole. Die „neue Welt“ mit Smartphone und Internet ist erreichbar, steht aber überhaupt nicht im Fokus. Das sind eher die persönlichen Gespräche und Begegnungen, die ich allesamt als sehr bereichernd empfunden habe. Ob unter den KaZlern, mit den Kloster-Mitarbeitern oder -Besuchern…dieser Ort zieht ganz unterschiedliche Menschen an, die sich alle irgendwie mit Gott beschäftigen wollen.

Nachmittags hatten wir grundsätzlich Zeit für uns, die jeder anders genutzt hat. Ausruhen, wandern, mit der Außenwelt kommunizieren, weiterarbeiten…alles war möglich. Um 18 Uhr fand schließlich das gemeinsame Abendgebet statt, in dem wir für verschiedene Situationen und Institutionen dankten und beteten. Danach bereiteten wir gemeinsam das Abendessen vor und blieben meist noch lange zusammensitzen, um zu reden und zu diskutieren.

Beten und arbeiten

Die Gemeinschaft im Kloster basiert natürlich auf dem christlichen Glauben und wird dank der Gebete und Gottesdienste aktiv gelebt und gestaltet. Dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten in diese Gemeinschaft einbringen kann, ist gewinnbringend für alle Beteiligten. Dabei werden die eigenen Bedürfnisse (sowie diejenigen der anderen!) akzeptiert und beachtet – am Essenstisch war sogar ein Erinnerungsschild mit den Worten Achtsamkeit und Akzeptanz aufgestellt – . Das Gefühl, eine verantwortungsvolle Aufgabe zu haben, ob es nun ums Streichen, Füttern oder Kochen ging, und Teil einer Gemeinschaft zu sein, war für jeden sehr wichtig zu erfahren. Im besten Fall sind die Menschen mit neuem „Rüstzeug“ in die Welt hinausgegangen, manche nach ein paar Tage, andere nach ein paar Monaten. Das gestärkte Vertrauen in Gott begleitet sie auf ihrem Weg.