5. Jobstation im Januar: Sachbearbeiterin in der Insolvenzabteilung einer Anwaltskanzlei

jpf-admin | 22.Februar 2017

Meine 5. Jobstation habe ich als Sachbearbeiterin in der Insolvenzabteilung einer Anwaltskanzlei im Januar absolviert. Gründe für Insolvenzen gibt es viele. Pleiten, Pech und Pannen liegen im Spiel des Lebens halt oft nah beieinander…

Wer arbeitet in der Insolvenzverwaltung?

Natürlich Anwälte, die sich z.T. auf Insolvenzrecht spezialisiert und ihren Fachanwalt in diesem Bereich gemacht haben. Es sind dort aber auch BWLer und viele kaufmännisch-ausgebildete Fachkräfte tätig. Bei den Insolvenzen unterscheidet man zwischen den Unternehmens- und Privatinsolvenzen. In meiner Zeit als Aushilfskraft in der Sachbearbeitung war ich ausschließlich für den Bereich Privatinsolvenzen zuständig. Am ersten Tag wurde mir zunächst erläutert, wie ein sogenannter Eröffnungsbericht fürs Gericht geschrieben wird. Der beauftragte Insolvenzverwalter ist ja dem Gericht gegenüber Rechenschaft schuldig, wie der Stand der Dinge im Verfahren ist. In einem persönlichen Termin zwischen Schuldner und Insolvenzverwalter sollte der Schuldner alle notwendigen Informationen über seine Vermögenssituation offenbaren. Darüber hinaus wird er über seine Rechte und Pflichten in Kenntnis gesetzt, damit er die sogenannte Restschuldbefreiung nach 6 Jahren erhalten kann.

Pleite gehen – aber richtig

Es gibt sehr viel zu beachten bei einem Insolvenzverfahren. Im ersten Schritt werden alle „Beteiligten“ oder „Betroffenen“ über die Privatinsolvenz informiert, d.h. Arbeitgeber, Vermieter, Versicherungen, Banken, Finanzamt, etc. werden angeschrieben. Sie werden zur Kooperation angehalten, damit das Vermögen möglichst exakt bestimmt werden, aber ggf. auch weiterer Schaden vermieden werden kann. Diese Anschreiben habe ich nach einer Vorlage erstellt, vorab per Fax an die Empfänger gesandt und dann zwecks Dokumentation abgelegt. Darüber hinaus mussten viele Dinge statistisch erfasst werden, z.B. die Höhe der Schulden. Jeder Zeit ist also jeder Schritt nachvollziehbar und transparent – ein Muss bei einer so verantwortungsvollen Aufgabe wie der Insolvenzverwaltung.

Zwischendurch klingelte immer mal wieder das Telefon: Schuldner oder andere „Betroffene“ wie z.B. Arbeitgeber stellten ihre Fragen. Letztendlich ging’s immer nur um eins und das war naturgemäß das liebe Geld. Großes Konfliktpotenzial bestand grundsätzlich beim Thema Auto. Denn wenn das Auto nicht absolut notwendig zum Erreichen des Arbeitsplatzes war, dann musste es verwertet werden. Oder wenn es ein zu wertvolles Auto war, dann natürlich auch. Da war mit der Einsicht der Schuldner nur bedingt zu rechnen.

Insgesamt kann ich sagen, dass die Tätigkeit als Sachbearbeiterin zumindest in diesem Büro enorm viel Genauigkeit und Sorgfalt, ein gewisses Maß an Spürsinn und Kontrolle, Ausdauer und ab und an auch einen sehr langen Atem, viel Verantwortungsbewusstsein, Abgrenzungsfähigkeit und Verständnis, Kommunikationsstärke, Klarheit sowie Transparenz, ein gutes Ausdrucksvermögen, eine sehr gute Organisationsfähigkeit und vor allem ein gutes Zeitmanagement erfordert. Die zu erledigenden Dinge sind immer an Fristen gebunden, die natürlich eingehalten werden sollten. Das Besondere bei dieser Art von Sachbearbeitung ist meiner Einschätzung nach, dass vieles gleich ist und es eben doch nicht ist. Jeder Fall ist anders bzw. es kommt immer wieder was Neues. Als ich dort war, musste z.B. die Wohnung eines mittlerweile verstorbenen Schuldners geöffnet werden, der gar keine Verwandten hatte. Auch das fällt dann in den Aufgabenbereich des Insolvenzverwalters.

Die rechtlichen Dinge lasse ich hier bewusst außen vor. Eine wichtige Erkenntnis habe ich aber noch mitgenommen: Je früher die Beratung von den Betroffenen in Anspruch genommen wird, desto besser. Manches kann noch verhindert werden.

Eure Gunda Ben Djemia-Böke

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