Storytelling im Bewerbungsgespräch

jpf-admin | 11.September 2019

Nur die Geschichte zählt…

Wer eine gute Geschichte zu erzählen hat, ist ein gern gesehener Gast im Freundes- und Bekanntenkreis. Auch im Business findet eine gute Story viel Anklang – bei Kollegen und Vorgesetzten und natürlich bei potenziellen zukünftigen Arbeitgebern.

Leider ist nicht jeder von uns der geborene Geschichtenerzähler. Dabei sind zahlreiche Komponenten zu beachten: Gesten, Mimik, Timing, Betonung, Länge, Pointen und ganz wichtig: der rote Faden.

Storytelling als Masterdisziplin

Im Bewerbungsprozess gilt das sogenannte Storytelling als Masterdisziplin. Denn man will als Bewerber natürlich positiv aus der Masse herausstechen und als bester Kandidat im Wettkampf um die begehrte Stelle hervorgehen. Ähnlich wie bei einem Helden, der eine Reise unternimmt, viele Gefahren, Abenteuer und Herausforderungen meistert, um als gestandene Persönlichkeit heimzukehren und das, was er auf der Reise gelernt hat, in der Heimat erfolgreich umzusetzen. Der „Gewinner“ im Bewerbungsprozess fungiert im besten Fall als ein solcher Held fürs Unternehmen, das ihn einstellt.

Es gilt also, Personaler, Chefs, Gleichstellungsbeauftragte, zukünftige Kollegen – je nachdem, wer die Bewerbungsunterlagen liest oder das Bewerbungsgespräch führt, von der eigenen Passgenauigkeit, Stärke, Erfolgsgarantie zu überzeugen – mittels einer super Marketingstrategie, dem Storytelling.

Die eigene Geschichte muss sich bereits in den Bewerbungsunterlagen spiegeln. Denn wer weiß, ob die Chance überhaupt kommt, im Vorstellungsgespräch als Entertainer zu punkten. Ich nenne das Storytelling deswegen Masterdisziplin, weil man dabei so viel falsch machen kann, wenn einem das Geschichtenerzählen nicht in die Wiege gelegt worden ist. Plaudere ich zu viel aus dem Nähkästchen, langweile ich mein Gegenüber schnell (z.B. wenn ich meinen Lebenslauf detailgenau wiedergebe) oder hinterlasse gerade keinen guten Eindruck (z.B. wenn ich negativ über ehemalige Arbeitgeber spreche). Der Plauderton ist immer dann gefährlich, wenn sich der Bewerber in einer vertrauten Umgebung wähnt, in der er alles erzählen kann. Gewiefte Unternehmensvertreter sind wahre Meister darin, genau solch eine Atmosphäre herzustellen, um den „echten“ Bewerber kennenzulernen. Sie würden es auch sofort merken, wenn eine Geschichte konstruiert klingt. Die Bitte: „Erzählen Sie doch mal, wie Sie diese oder jene Situation gelöst haben!“ zielt nicht selten darauf ab zu überprüfen, die in den Unterlagen oder im Gespräch behauptete Problemlösungsfähigkeit zu verifizieren oder die Arbeitsweise näher kennenzulernen.

Storytelling als Verkaufsstrategie

Storytelling ist im Prinzip eine Verkaufsstrategie. Im Bewerbungsprozess will man sich selbst gut verkaufen. Viele verkaufen sich dabei unter Wert, weil sie ungeeignete Verkaufsargumente vorbringen. Für das Gegenüber ist es vor allem wichtig zu erkennen, welchen Mehrwert kann mir der Bewerber bringen. Aber auch umgekehrt haben Unternehmen natürlich ein großes Interesse daran, eine gute Unternehmensgeschichte vorzuweisen, um besonders beliebt bei talentierten Arbeitnehmern zu sein und zu bleiben.

Nichts geht über eine gute Story, aber alles nur auf eine unterhaltsame Geschichte auszurichten, wäre fatal. Sie muss fundiert, authentisch, nachvollziehbar und vor allem die eigene sein. Wer sich dem Job zuliebe verstellt, schauspielert oder sogar lügt, wird weder zufrieden noch glücklich am Arbeitsplatz werden. Der beste „Selbst-Verkäufer“ kann auch zum größten Verlierer im (Arbeits-)Leben werden…Wer sich selbst gut kennt und weiß, was er will, findet seinen Platz, manchmal auch ohne großes Zutun. Einfach nur, weil er selbst so begeistert von den eigenen Plänen und Träumen redet und im Idealfall auf Förderer und Unterstützer trifft, die ihn näher zum Ziel bringen. Aus diesem Grund rate ich auch jedem Klienten, das eigene Netzwerk, sprich, Freunde und Bekannte, alte Kollegen oder Nachbarn, mit der eigenen Geschichte zu unterhalten. So wirkt die Überzeugungsarbeit gar nicht mehr wie eine einstudierte Bewerbungsoffensive, sondern wie das Natürlichste von der Welt…und genau dann, wenn die Story ungezwungen, echt, eben natürlich ist, wenn ich weiß, was ich kann und was ich will, dann bin ich ICH, der Bewerber XY, der sich freut, wenn er ein Unternehmen findet, das seine Stärken, Interessen und Werte teilt. Und wenn dem nicht so sein sollte, muss ich mich auch nicht grämen, denn dann will ich gar nicht Teil dieser Unternehmensgeschichte werden. Das könnt Ihr mir glauben…😉  In diesem Sinne: Erzähl‘ mir Deine Geschichte!

Blogtour zu „Storytelling im Bewerbungsprozess“

Hier findet Ihr weitere Beiträge zum Thema „Storytelling im Bewerbungsprozess“ im Rahmen einer am 12.09.2019 gestarteten Blogtour:

Interview mit Agile Coach Heiko Harthun: https://www.dirk-raguse.de/blog/blogtour-storytelling-im-bewerbungsprozess-interview-mit-coach-heiko-harthun.html

ab dem 14.09.2019: https://www.careercatalyst.de/bewerbungstipps/selbstpraesentation mit Karolin König

ab dem 16.09.2019: https://www.youtube.com/watch?v=sqM1PLRe0Po mit Goran Celic

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