Über Berufungen, Krisen und gute Taten

jpf-admin | 07.Dezember 2020
Andrea Lienhart

Ein Interview mit Andrea Lienhart

– Managementtrainerin, Supervisorin und Businesscoach, Autorin und Illustratorin –

 

Im Rahmen der Spendenaktion für das Refugium für Tiere in Not e.V. (www.tierschutzhof-am-schellenberg.de) sowie das Therapiezentrum Feuler Hof in Marl (www.pbm-marl.de), einem Kooperationsprojekt von Kosmetik Martin in Herne, LienArt® aus Freiburg und der Buchhandlung das Karrierebuch aus Bochum werden Wundertüten verkauft, in denen u.a. Postkarten enthalten sind. Diese besonderen Karten werden von Frau Andrea Lienhart gestaltet.

Andrea Lienhart arbeitet seit 1995 als Managementtrainerin und Supervisorin für namhafte, internationale Unternehmen. Sie coacht Führungskräfte, Teams und Einzelpersonen, hält Vorträge auf Kongressen und Veranstaltungen und ist Autorin und Illustratorin zahlreicher Bücher.

In folgenden Interview gibt sie einen Einblick in ihre facettenreiche Arbeit.

Was reizt Sie an so vielen verschiedenen Berufsrollen, die Sie ausfüllen und gibt es eine „Lieblingsrolle“?

Eine Lieblingsrolle habe ich überhaupt nicht. Im Gegenteil, standardisierte Prozesse und Routineaufgaben sind gar nichts für mich. Ich schätze vor allem die Abwechslung und die Vielseitigkeit zwischen Seminaren, Coaching, Moderation – im Einzel-, Gruppen- oder Teamsetting – sowie die Autoren-, Illustratoren- und Rednertätigkeiten.

Mit dem Thema „Respekt“ habe ich im Businessbereich meine Nische gefunden und mittlerweile drei Bücher dazu geschrieben. Dadurch hat sich fast wie von selbst ein toller Kundenstamm aufgebaut, denen das Thema Respekt ebenfalls sehr am Herzen liegt. So macht die Zusammenarbeit natürlich besonders viel Freude. Bei der Gestaltung der Postkarten lege ich ebenfalls großen Wert darauf, dass die jeweiligen Themen respektvoll behandelt werden. Insofern zieht sich das Thema Respekt wie ein roter Faden durch all meine Berufsfelder.

Inwiefern gibt es Überschneidungen bei Ihren unterschiedlichen Tätigkeiten? Nutzen Sie z.B. Ihre selbst gestalteten Karten auch im Managementtraining?

Oh ja, in Seminaren, im Coaching, bei Vorträgen und Veranstaltungen – überall setze ich die Karten mittlerweile ein. Ursprünglich habe ich ja eher privat gemalt. Durch die starke Resonanz auf meine Bilder sind die Berufsfelder nach und nach wie von selbst zusammengewachsen. In der Frauenklinik in Mainz, beispielsweise, bemalte ich ganze Wände. Bald darauf führte ich ein Seminar mit den Führungskräften der Klinik durch. Es gibt Unternehmen, in denen ich als Managementtrainerin tätig bin, die auch meine Bilder bei sich ausstellen möchten, oder Menschen, die über die Postkarten auf mich aufmerksam werden und zum Coaching kommen usw.

Selbst bei Onlinebestellungen der Karten kann ich häufig die Motivation bzw. den Grund für die Bestellung erkennen, weil die Karten dies erlauben. Sie sprechen eben das innerste Kind an. Dank meiner allerersten Ausbildung zur Erzieherin und der Arbeit mit Kindern fällt es mir leicht, Zugang zur Intuition zu erhalten und die Menschen mit meinen Karten zu berühren.

Anmerkung GDB: Dies kann ich nur bestätigen: Vor dem Kartenständer im Laden bleiben immer Menschen stehen, lachen und machen sich gegenseitig auf die Motive aufmerksam.

Sie sind aus einer Krise heraus, zu Ihrem neuesten Berufsfeld, der Illustration, gekommen. Was würden Sie den Menschen gerade in dieser schwierigen Zeit mit auf den Weg geben wollen vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrung?

Die Corona Pandemie ist eine besondere Krisensituation, da sie so stark in unser Leben und somit auch in unseren beruflichen Alltag eingreift, dass alle direkt und indirekt betroffen sind.

Ob Sorge um finanzielle Engpässe aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit – jeder Einzelne kämpft an verschiedenen Fronten und hat dabei eigene Gedanken und Gefühle.

Es geht darum, sich der neuen Realität zu stellen und einen Umgang mit den neuen Gegebenheiten zu finden. Jede und jeder von uns ist, unabhängig von seiner Position und seiner Aufgabe, gefragt, das Beste aus der Situation machen. Positives Denken und Handeln sind angesagt.

Sie zeichnen mit Ihrer linken Hand, sind aber Rechtshänderin, oder? Warum?

Ich bin im Rahmen einer Reha zufällig darauf gestoßen. Im Rahmen eines kunsttherapeutischen Angebotes wurde ich dazu eingeladen, den Stift in die linke Hand zu nehmen und die Augen zu schließen – eine gängige Kreativmethode, wie ich später erfuhr. Ich musste selbst über meine sehr einfachen und kindlichen Kritzeleien lachen – und andere auch. So kam es, dass immer mehr Leute sagten: „Mach was draus.“

Trotz meiner Scham ob dieser kindlichen Zeichnungen habe ich dann meinem Verlag (Kösel) die Zeichnungen gezeigt und die waren sofort begeistert von der Idee, ein Bilderbuch zum Thema „Respekt“ zu veröffentlichen. So entstand der Titel „auf Augenhöhe“. Das Ganze kam immer mehr ins Rollen. In Freiburg wurden die Bilder ausgestellt, die Zeitung berichtete davon, dies inspirierte wiederum ein Modehaus, einige Motive im Schaufenster zu platzieren und auf Jutebeutel drucken zu lassen. So ging es weiter: Die unglaublich positive Resonanz führte wieder zu neuen Projekten und Kooperationen, so wie auch jetzt mit Kosmetik Martin und der Spendenaktion für den Tierschutz.

Sie schreiben Fachbücher für den beruflichen Kontext und Bilderbücher. In Ihrem Bilderbuch für Erwachsene mit dem Titel „Auf Augenhöhe“ verbinden Sie Ihr „Managementthema“ Respekt mit der Illustration. Im Dezember werden zwei weitere Bücher zu den Themen Glück und Lebenskunst bzw. positiver Psychologie erscheinen. Welche Reaktionen bekommen Sie auf Ihre unterschiedlichen Buchprojekte? oder anders gefragt: Für wen schreiben Sie?

Die Fachbücher greifen Themen aus dem beruflichen Kontext auf. Die Bilderbücher haben mit dem „inneren Kind“ zu tun. Sätze wie „Ich kann nichts dafür“, „der andere ist schuld“ oder „ich habe doch gar nichts gemacht“ kommen uns allen ja sehr bekannt vor. Die einzelnen Motive und Themen bilden die Struktur und Assoziationsgrundlage für das jeweilige Buch. Das ist eine ganz herrliche Arbeitsweise, weil sie mit so viel Leichtigkeit und Freude verbunden ist. Generell sollen die Bilderbücher Anregungen und Hilfestellung geben für unterschiedlichste Situationen im täglichen Leben. Und sie sollen Mut machen. Diese Ziele verfolge ich wiederum auch in meinen Seminaren.

Die einzelnen Motive entstehen immer im täglichen Leben, deshalb gibt es auch zu jeder Karte eine Geschichte! Manchmal sind es einfach Anlässe, für die ich kein passendes Motiv gefunden haben oder mit denen ich jemandem einfach eine Freude bereiten wollte. Oder es bilden sich Themen ab, die mich gerade beschäftigen, sei es im beruflichen, oder im privaten Bereich. Manchmal wird auch ein Wunsch an mich herangetragen und ich zeichne sozusagen im Auftrag. Gerade illustriere ich z.B. eine Karte, mit der sich eine Stadtverwaltung bei ihren Mitarbeitenden bedanken möchte.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus? Wann schreiben und illustrieren Sie? Wann geben Sie Trainings?

Fürs Malen und Zeichnen brauche ich tatsächlich etwas Ruhe und Muße, das mache ich gerne in Zeiten, wo weniger Seminare gebucht werden, z.B. in den Schulferien, oder eben in den Phasen, in denen weniger los ist, wie auch in der Corona beeinflussten Zeit. Kreativität funktioniert nicht unter Zeitdruck. Meine Arbeitsdevise beim Malen lautet: “Immer so, dass das Seelchen noch mitkommt.“

Als Managementtrainerin, Supervisorin und Coach bin ich breit aufgestellt und kann dadurch auf alles reagieren, was es in den Unternehmen gerade braucht. In Sachen Teamentwicklung gibt es beispielsweise momentanen erhöhten Handlungsbedarf, weil räumliche Distanz die Zusammenarbeit an einigen Stellen erschwert.

Inwiefern hat die „Corona-Zeit“ Ihren Berufsalltag verändert, verbessert und / oder beeinträchtigt?

Ich habe die Zeit genutzt, um Bücher zu schreiben und zu illustrieren.  Und wir haben gemeinsam im Team neue Ideen und Konzepte entwickelt. Sowohl für den Postkartenverlag als auch für den Seminarbereich. Es gibt in jeder Phase etwas zu tun und die Themen bilden sich entsprechend ab.

Was planen Sie im nächsten Jahr?

Viele Seminare sind bereits für das nächste Jahr fest terminiert. Zum Thema „Respekt“ wird es einen Onlinekongress geben, bei dem ich als Vortragende mitwirke. Zudem werden alle Angebote für die Unternehmen auf die aktuelle Situation zugeschnitten.

Bei den Postkarten planen wir im Mitarbeiterteam den Ausbau des Vertriebes in Österreich und in der Schweiz. Außerdem bereiten wir uns auf Fachmessen vor und wirken proaktiv bei verschiedenen Spendenaktionen mit.

Zu guter Letzt: Warum sollten nach Möglichkeit viele Wundertüten verschenkt werden 😉?

Mir liegt der Tierschutz sehr am Herzen und deswegen war ich auch gleich ganz angetan von der Idee von Frau Martin-Müller (Inh. von Kosmetik Martin), den Reinerlös aus dem Verkauf der Wundertüten an zwei Tierschutz-Organisationen zu spenden. Ich habe selbst einen Hund und eine Katze und weiß um ihre positive Wirkung auf uns Menschen. Es ist kein Zufall, dass diese Tatsache mit COVID-19 noch mehr ins Bewusstsein rückt.

 

Nähere Informationen zu den Arbeitsfeldern von Frau Lienhart unter:

https://www.lien-art.de/

https://www.andrea-lienhart.de/

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