Interview mit dem Autor des Buches „Gedankenwohnung“

jpf-admin | 28.April 2021
Bring' Ordnung in Dein Gedankenkarussell

Glücklicherweise hat sich der Autor des vorgestellten Buches „Gedankenwohnung“ (https://www.jobprofilfinder.de/2021/03/gedankenwohnung-auch-gedanken-brauchen-ein-zuhause/) Johannes Faupel für folgendes Interview zur Verfügung gestellt, das uns Entstehungsgeschichte, Wirkungsweise sowie weitere Informationen zu diesem einzigartigen Selbsthilfe-Tool aufzeigt.

Für wen haben Sie das Buch „Gedankenwohnung“ geschrieben?

Gedankenwohnung zählt zur Selbsthilfeliteratur. Ich habe dieses Selbsthilfebuch für Menschen
wie mich geschrieben: voller Terminkalender, der Kopf voller Projekte und Ideen, jeder Tag ca. 12
Stunden zu kurz, oft nachts aufgewacht und weitergedacht, wofür am Tag die Zeit gefehlt hatte.
Stets auf kreative Lösungen aus, immer auf der Suche nach Selbsthilfe.
Das war irgendwann zu viel.
Es ist ein Selbsthilfebuch, mit dem ich mir selbst geholfen habe.

Wie sind Sie auf das Bild der Wohnung gekommen?

Es war in einer Nacht im Jahr 2013. Mein Gehirn hatte wieder einmal zwischen 3 und 4 Uhr
morgens entschieden und mir mitgeteilt: Komm, ich bin schon wach, lass uns etwas ausdenken.
Mein Körper widersprach.
Es war klar: ein Arbeitstag würde folgen. Bei derart frühem Erwachen wird das nichts. Was sollte
ich tun? Ich lag also da und dachte über das Denken und das Problemlösen nach. Und da trafen
sich beide: mein Denken und mein Schlafproblem. Hakten einander unter und lieferten mir die
Vorlage für die Lösung.
Die Lösung entstand mit einer Frage.
Ich fragte mich, wie es wohl wäre, wenn ich eine Wohnung für seine eigenen Gedanken schaffen
könnte, in der alles Platz findet. Anstatt im Gedankenkarussell zu sitzen, könnte ich im Bett liegen
und meine Gedanken an einem anderen Ort rotieren lassen, wo es mich nicht stört.
Mit dem Gedanken an die Gedankenwohnung war diese besondere Wohnung auch schon da.
Ich drehte mich um und schlief weiter. Seit diesem Tag habe ich nicht mehr erlebt, dass ich mich
stundenlang nachts mit Gedanken abgab.

Kann ein Buch eine therapeutische Wirkung haben?

Eine Wirkung in Form einer Intervention kann nur dann eintreten, wenn auf Klientenseite jemand
da ist, der sie als stimmig erlebt und umsetzt. Eine therapeutische Wirkung wird von der Person
zugelassen (oder auch nicht), für die sie gedacht ist.
Ein Buch an sich wirkt nicht.
Die gute Geschichte eines Buches lässt ein Bild im Kopf entstehen. Wenn das Bild kraftvoll genug
ist, wirkt es wie eine Intervention.
Daher ja: Ein Buch kann im Einzelfall ein vergleichbares Resultat liefern wie die entsprechende
therapeutische Einladung zu einer Umfokussierung. Immer vorausgesetzt, die Geschichte
(Intervention) wird vom Adressaten als stimmig erlebt.

Nutzen Sie das Modell der Gedankenwohnung auch in Beratungssitzungen mit Ihren Klienten?

Regelmäßig. Ich arbeite die ganze Zeit mit Bildern.

Haben Sie einen „Lieblingsraum“ in Ihrer eigenen Gedankenwohnung?

Am meisten nutze ich den Werkraum. Als ich darauf gekommen war, einen Werkraum für alles
einzurichten, wurde vieles entspannter.
Was noch nicht fertig ist, bekommt die erforderliche Zeit. Was nach längerer Zeit unbearbeitet im
Werkraum liegt, wird neu bewertet und womöglich aufgegeben oder verkauft.

Auf Ihrem Blog gedankenwohnung.de schreiben Sie fortlaufend über den Umgang mit Gedanken. Wie kommen Sie auf die Themen der Blogbeiträge?

Klienten bringen die Themen in die systemische Praxis (https://supervision-ffm.com/). Menschen
aus dem Alltag liefern Ideen. Und natürlich bearbeite ich auch das, was mir selbst durch den Kopf
geht. Was Sie unter https://gedankenwohnung.de/blog/ finden, hat seinen Ursprung im realen
Leben.

Welche Bücher zur Psychologie und Alltagsbewältigung schätzen Sie besonders?

„Liebesaffären zwischen Problem und Lösung. Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen
Kontexten“ (Dr. Gunther Schmidt). https://karrierebuch.buchhandlung.de/shop/article/40484171/gunther_schmidt_liebesaffaeren_zwischen_problem_und_loesung.html
An meinem zweiten Lieblingsbuch ist ebenfalls Dr. Gunther Schmidt (Milton-Erickson-Institut
Heidelberg und Systelios-Klinik Siedelsbrunn) beteiligt:
„Pirouetten im Supermarkt: Strategische Interventionen für Therapie und Selbsthilfe (Systemische
Therapie)“ von Giorgio Nardone, Gunther Schmidt, et al. https://karrierebuch.buchhandlung.de/shop/article/29522627/giorgio_nardone_pirouetten_im_supermarkt.html

Welche Funktion nimmt das Schreiben in Ihrem Leben ein?

Ich gebe dem Schreiben viel Raum. Wenn mir ein interessantes Thema öfter begegnet, schreibe
und veröffentliche ich etwas dazu. Um eine Auseinandersetzung mit dem Thema auch außerhalb
meiner Gedanken zu ermöglichen: Depressionen, Cherophobie, Zwangsvorstellungen,
Parentifizierung … es gibt so viele Themen.
Die Liebe zum Schreiben hat ihre Gründe in meinem Ursprungsberuf, den ich auch heute noch
gerne ausübe. Als Werbetexter (https://schnelletexte.de/) alter Schule fing ich Anfang der 1990er
Jahre an.
Das Marketing sendet Einladungen an die Aufmerksamkeit, mit denen die Rezipienten nicht
rechnen. „Schauen Sie mal. Erkennen Sie Ihr Problem. Entdecken Sie unsere Lösung. Verstehen
Sie Ihren Nutzen. Merken Sie sich das. Handeln Sie danach.“
Marketing ist Aufmerksamkeitslenkung – allerdings ohne Auftrag der Zielgruppe.
Gut 15 Jahre später stellte ich fest: Marketing ist in vielem der Beratung ähnlich. Mit dem
Unterschied, dass in der Beratung meistens eine Intervention erwartet wird. Jemand kommt und
bestellt eine Veränderung. Beratung ist wie erwünschtes Marketing für beabsichtigte Veränderungen.
Unser Alltag ist voller Einladungen an das Gehirn. Die meisten von ihnen schaffen es nicht durch
die Filter der Aufmerksamkeit.
Das Prinzip der Gedankenwohnung ist ein Filter.
Sie können diesen inneren Filter bewusst auf das einstellen, womit Sie sich beschäftigen wollen.
Alle anderen Themen legen Sie an dafür geeigneten Orten ab.

Planen Sie weitere Buchprojekte?

Außer Gedankenwohnung gibt es „Gedankentaxi“ (https://www.gedankentaxi.de/). Nach meinem
2020 bei Springer Gabler veröffentlichten Fachbuch „Burnout-Buch Burnout-Prävention und
-Intervention im Marketing“ (https://www.burnoutfachbuch.de/) sind weitere Publikationen in
Arbeit.
Ich werde gerne die Zusammenarbeit mit Ihrer Karrierebuch-Buchhandlung fortsetzen.

Herzlichen Dank für die spannenden Einblicke in Ihre vielfältige Arbeit, Herr Faupel.

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